Westlicher Zen

USA, Georgia, in den 1960er Jahren.

Der Ingenieur Camden Benares (eigentlich John Albert Overton) schreibt eines von insgesamt drei bekannten Büchern über Zen-Buddhismus, oder genauer: Zen-Buddhismus ohne Lehrer. Das erste Buch stellt verschiedene Meditationsmethoden vor — darunter auch solche, die im traditionellen japanischen oder chinesischen Zen nicht verankert sind. Dieser Ansatz spiegelt wider, worum es Benares wirklich ging: um Mittel und Methoden, uns den Alltag zu erleichtern. Im Gegensatz zur blanken, ja manchmal glanzlosen Welt des asiatischen Zen lebt der „Westliche Zen“ (wie ihn Benares selbst nennt) von der Mischung.

Diesen Gedanken der Nützlichkeit teilt der Westliche Zen auch mit anderen westlichen psychologischen Methoden; als bekanntester Vertreter sei hier die Theorie der „8 Intelligenz-Regelkreise“ von Professor Timothy Leary erwähnt, die mit Robert Anton Wilson einen Siegeszug durch spirituelle und weltliche Kreise antrat. Camden Benares war mit Robert Anton Wilson und anderen Zeitgenossen befreundet. Wir nehmen an, daß sich beide Welten — Westlicher Zen und die 8 Regelkreise — gegenseitig inspiriert haben.

Um Westlichen Zen in einem Satz zusammenzufassen: Er ist eine westliche Interpretation des asiatischen Zen, der die typischen kulturellen Begleiterscheinungen des Ursprungslandes beiseite läßt: Meister, „wortlose Übertragungen“, stundenlanges erzwungenes Sitzen in der Meditationsposition. Es funktioniert, zumindest für uns Menschen der westlichen Hemisphäre, auch ohne.

Das Grundgerüst im Westlichen Zen bilden die sogenannten Vier Edlen Wahrheiten des Buddha, verbunden mit verschiedenen Arten der Meditation:

  1. Leiden (Dinge, die in unserem Leben unangenehm oder schmerzhaft sind oder einfach nicht rund laufen) existiert.
  2. Die Ursache des Leidens ist Anhaftung: der Hunger nach Sinneseindrücken oder Gedanken, die Ablehnung oder die Gier nach Leben oder Tod. Kurz: Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
  3. Es gibt eine Methode, um das Leiden zu beenden.
  4. Diese Methode ist der achtfache Pfad des Buddhismus.

 

 

Advertisements