Schamanische Selbstheilungstechniken: Der Geheime Garten

Dr. Michael Harner ist Anthropologe und der Begründer der Foundation for Shamanic Studies, einer hoch angesehenen Organisation, die seit Jahrzehnten mit echten Schamanen zusammenarbeitet und aus ihren Techniken und Ansichten einen gemeinsamen Kern herausarbeitet — gewissermaßen die Essenz des Schamanentums.

Für Harner ist ein Schamane jemand, der

– willentlich – in einen anderen Bewußtseinszustand eintritt, um mit einer normalerweise verborgenen Wirklichkeit in Berührung zu kommen und sie auszuwerten, um Wissen, Kraft und Hilfe für andere zu erhalten.

(Michael Harner: “Der Weg des Schamanen”, Hamburg, 1986, Seite 45)

Dies ist eine einfache Aufgabenbeschreibung des Schamanen. Interessant finde ich, daß sie weltanschauliche Themen komplett beiseite läßt — weil jede Schamane eben in der Welt lebt, in der er kulturell verankert ist. Es gibt natürlich ein paar Gemeinsamkeiten (Geistwesen, verschiedene astrale Ebenen, Hierarchien), aber die sind gering.

Unabhängig von Harner formulierte Peter J. Carroll in den späten 1970ern seine universelle magische Theorie. Auch Carroll hatte unterschiedliche Religionen und Rituale analysiert und die Gemeinsamkeiten herausdestilliert. Er kommt zu einem anderen Schluß, nämlich dem, daß jegliche magische Handlung mit der Veränderung des Bewußtseins einhergeht (und sei es nur eine Konzentration auf eine bestimmte Handlung).

Schamanische Tätigkeiten unterscheiden sich im technischen Sinn nicht von ritualmagischen Tätigkeiten wie beispielsweise der katholischen Messe. Was den Unterschied ausmacht, beschreibt Carroll in seinem Liber KKK, einem legendären Trainingsprogramm für Psychonauten (eigene Übersetzung):

Schamanische Magie funktioniert auf der Ebene von Trance, Vision, Vorstellung und Traum. Sie öffnet das Unterbewußtsein des Magiers, indem sie den psychischen Sensor mit verschiedenen Techniken ausschaltet. Der Magier tritt auf dieser Stufe beachtlichen Gefahren gegenüber und muß eventuell häufig auf zauberische oder Banntechniken zurückgreifen, falls die Gefahr besteht, daß sie von ihm Besitz ergreift oder ihn überwältigt.

Diese Definition hat sich im Laufe der Zeit als die brauchbarere herausgestellt, zumindest für mich persönlich. “Zauberische Techniken” sind übrigens solche, die Gegenstände verwenden, beispielsweise Kelche, Räucherwerk und Oblaten Hostien, wie beispielsweise in der katholischen Messe.

Nach dieser länglichen Einführung kommen wir endlich zum heutigen Thema: dem Geheimen Garten. Das ist eine Technik aus dem Huna. Huna bezeichnet sich als “hawaiianischer Schamanismus”, ist aber in Wirklichkeit ein Produkt des New Thought, der wohl einflußreichsten neuzeitlichen spirituellen Bewegung, die im 19. Jahrhundert in den USA ihren Anfang nahm. Ich persönlich hatte einige sehr gute Huna-Lehrer, aber es gibt auch bekannte Namen im Geschäft, von denen ich eher abraten würde, weil sie eine wohl grundsätzliche Regel der Magie (“Abstrahiere!”, im Sinne von: Visualiere oder zeichne dein Ziel so, daß es auf den ersten Blick für dein Wachbewußtsein nicht erkennbar ist) mißachten.
„Aladin im Magischen Garten“, von Max Liebert.

Der Geheime Garten also.

Der Garten ist eine schamanische Technik im Sinne Carrolls, funktioniert also auf der Ebene der Vision, Trance und Vorstellung.

Zweck: innere Ruhe erlangen, Selbstheilungskräfte anstoßen, als Ausgangspunkt für Astralreisen verwenden

Methode:

Entspannen Sie sich mit einer geeigneten Technik. Die Entspannung sollte sehr tief sein.
Stellen Sie sich vor, wie Sie durch ein Tor oder eine Türe hindurch in einen Garten gehen. Gestalten Sie diesen Garten ganz nach Ihren Wünschen. Wenn Sie möchten, daß Ihnen hilfreiche Wesen zur Seite stehen, visualisieren Sie diese dazu. Wie sieht Ihr Garten aus? Wie groß ist er? Welche Pflanzen wachsen dort? Ist ein Gewässer in der Nähe? Vielleicht steht auch ein Gebäude in Ihrem Garten. Dieses Gebäude wird in der Westlichen Magie als “Tempel” bezeichnet und kann Ihnen später sehr hilfreich sein. Wie sehen Ihre Helfenden Wesen aus? Haben sie Namen? Sie können Ihren Garten bei jedem Besuch weiter ausbauen oder Details hinzufügen.

Wenn Sie Entspannung suchen: Streifen Sie durch Ihren Garten, gehen Sie in Winkel, in denen Sie noch nie waren. Machen Sie einen Spaziergang. Dies ist Ihr Garten, und er ist so groß, so schön, so bunt und so friedlich, wie Sie ihn haben wollen. Vielleicht richten Sie sich ein ruhiges Plätzchen in Ihrem Garten ein, wo Sie ganz alleine und ungestört sein können.

Wenn Sie Ihre Selbstheilungskräfte (psychische und körperliche) anschubsen wollen: Gehen Sie in Ihren Garten und bitten Sie ihn, Ihnen die Stelle zu zeigen, die mit Ihrem Leiden zusammenhängt. Beispielsweise: Sie haben rasende Kopfschmerzen und besuchen deshalb Ihren Garten. Sie könnten ihn also fragen: “Lieber Garten, bitte zeige mir die Stelle, wo mein Kopfweh ist”. Ihr Garten wird Ihnen die Stelle zeigen. Sie wird erfahrungsgemäß krank oder verwittert, kurz: ungesund, aussehen. Ersetzen Sie nun diese Stelle (meistens wird es eine Pflanze sein, aber es hat auch schon Fälle gegeben, in denen es ein krankes oder gefährliches Wesen oder ein kaputter oder gefährlicher Gegenstand war) durch etwas Schönes und Gesundes.

Um unser obiges Beispiel vom Kopfweh wieder aufzugreifen: Nehmen wir an, die Stelle in Ihrem Garten, wo Ihr Kopfweh ist, wird symbolisiert durch eine verwelkende Rose. Stellen Sie sich nun intensiv vor, wie Sie Ihre Rose mit “Wunderwasser” und “Heilstrahlen” wieder gesund machen. ODer Sie schneiden die kranken Stellen aus und gießen die Rose, damit sie gesund nachwächst. In Ihrem Garten haben Sie natürlich alle Werkzeuge und magischen Hilfsmittel, die Sie brauchen. Dies ist IHR Garten, und er ist perfekt! Arbeiten Sie solange an dem Symbol, bis es wieder völlig gesund ist.

Wenn Sie Ihren Garten als Ausgangspunkt für Astralreisen verwenden wollen: Traditionell geht man im Schamanentum nach UNTEN, wenn man seine Totemtiere und andere Helfer treffen möchte, und nach OBEN, wenn man seinem Schutzgeist (in der Westliche Magie “Heiliger Schutzengel” genannt) begegnen will. Sie können sich in Ihrem Garten die Stelle(n) suchen, an denen Sie ab- oder aufsteigen können.

Wenn wir diese — sehr brauchbare! — Technik analysieren und uns ansehen, wie die einzelnen Schritte sich in die Grundregeln der Magie einfügen, stellen wir fest, daß sie vollständig und komplett hineinpassen:

  1. Absichtserklärung: Beschreiben Sie klar die Wirkung, die eintreten soll. Vermeiden Sie “soll” oder “müßte”, formulieren Sie die Situation, als würde sie bereits stattfinden. “Mein Kopfweh wird verschwinden.”
  2. Stellen Sie sicher, daß die in der Absichtserklärung definierte Wirkung die Möglichkeit hat, zu entstehen.
    Ich habe Kopfweh, und mein Kopfweh kann auch wieder verschwinden.
  3. Suchen Sie sich eine Erfahrung aus, die Sie machen wollen.
    Ich stelle mir einen schönen Garten vor. Eine Stelle steht symbolisch für mein Kopfweh. Ich verändere diese Stelle so, daß sie wieder schön ist.
  4. Legen Sie fest, daß diese Erfahrung das gleiche bedeutet wie das, was Sie in Ihrer Absichtserklärung beschrieben haben.
    Wenn ich die Stelle in meinem Garten wieder heile mache, bedeutet das, daß mein Kopfweh verschwindet.
  5. Führen Sie die Erfahrung aus, machen Sie sie.
    Ich stelle mir inbrünstig vor, wie ich die Stelle in meinem Garten wieder schön mache.
  6. Notieren Sie sich das Ergebnis: Wie lange dauert es, bis es eintritt?

Wenn Sie einen sehr einfachen, sehr sanften und sehr wirksamen Einstieg in schamanische Techniken suchen, dann versuchen Sie es mit dem Garten. Er ist wirklich ganz und gar erstaunlich.

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