Wie geht Magie — eine vereinfachte Darstellung.

Schön, daß Sie gefragt haben :)

Zuerst mal sei vorausgeschickt, daß Magie nichts mit dunklen Kräften oder unheiligen Allianzen zu tun hat — außer, man will das so haben. Magie hat auf der anderen Seite aber auch nichts mit lichten Kräften oder heiligen Allianzen zu tun — außer, man will das so haben.

Das Grundgerüst für funktionelle Magie stammt in seinen Ursprüngen aus den frühen 1970er Jahren, als Peter Carroll und andere sich daran machten, magische Volkspraktiken zu untersuchen und nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Ähnlich machte das beispielsweise Michael Harner für den Schamanismus. Interessanterweise erntete Harner für seine Untersuchungen und die Gründung des sogenannten “Core-Schamanismus” weltweite Beachtung, während Carroll und Gefährten bisher ein Leben am Rande der Aufmerksamkeit führen. Das wiederum hat natürlich mit den Mainstream-Medien zu tun, ist aber ein Thema, das uns heute nicht interessieren soll.

Magie also. Zuerst mal: Was ist das?

“Magie ist die Kunst, Wissenschaft und Kultur, Wahrheit zu erfahren”, lautet eine neuere Definition. Oder anders gesagt: Sie suchen sich eine Sinneserfahrung aus, belegen sie mit einer Bedeutung und machen dann die Sinneserfahrung. Eben weil sie die Erfahrung machen, die sie vorher mit Bedeutung aufgeladen haben, ist automatisch “wahr” und erfahrbar. Wie sie sich allerdings auf der materiellen Ebene realisiert, hängt von verschiedenen Variablen ab.

Auf Deutsch: Wenn Sie beispielsweise singend und klatschend um einen Baum tanzen, nachdem sie vorher bestimmt haben, daß diese Aktivität bedeutet, daß es regnen wird — dann machen Sie diese Erfahrung, und sie ist in Ihrem subjektiven Raum sofort wahr. Ob und wie sie sich auf der materiellen, grobstofflichen Ebene äußern wird, hängt davon ab, wie die Wettervariablen beschaffen sind. Magie ist in den allermeisten Fällen ein Anschubsen von Wahrscheinlichkeiten, ein kleines Drücken oder Ziehen in die Richtung, die man sich vorstellt. Theoretisch sind großartige Wirkungen möglich, und ich persönlich kann von einigen solchen Dingen berichten, aber im Alltagsgebrauch sind es meistens die kleinen Dinge, die kleinen Verschiebungen der Wahrscheinlichkeiten.

Das alles klingt ja schön, aber ganz bodenständig (und hey, wenn jemand bodenständig ist, dann ich) betrachtet, ist das alles Gelaber. Magie ist: Vergrößerung von Erfolgschancen durch nicht-alltägliche Mittel. So. Das ist meine Definition.

Brauche ich für Magie besondere Kleidung?

Natürlich nicht. Die Tatsache, daß viele Praktizierende sie tragen, bedeutet nicht, daß das notwendig ist. Für Magie braucht man nichts außer einer klaren Vorstellung, was man erreichen will, und ausreichende “Inbrunst”, wie mein Freund P.G. sie zu nennen pflegt. Gleich mehr dazu.

Brauche ich für Magie besondere Ausrüstung?

Nein, aber Ritualgegenstände mit besonderer Bedeutung unterstützen die Wirkung.

Brauche ich für Magie besondere Übungen?

Ja, sie sind zumindest sehr vorteilhaft. Die Fertigkeit der Meditation, beispielsweise, hilft enorm. Auch Konzentrationsfertigkeit ist wichtig. Das alles kann man (muß man aber nicht) zur täglichen Praxis machen. Auch hierzu gibt es in Folgeartikeln mehr.

Wie geht Magie?

WARUM sie funktioniert: keine Ahnung. Darüber hat es im Laufe der Jahrtausende unzählige Theorien gegeben. Interessanterweise widersprechen sie sich teilweise gegenseitig — aber trotzdem funktioniert sie. Also halten wir’s mit Crowley und sagen “gehe mit den Hunden des Räsonierens zugrunde” (oder: Die Frage nach dem Warum bringt nichts). Fragen wir lieber: Wie macht man jetzt Magie?

Die erste Qualität, die erforderlich ist, ist die bereits oben erwähnte Inbrunst. Wir definieren sie jetzt einfach als Handeln in Übereinstimmung mit den Gedanken. Das ist an sich schon ein magischer Akt. Aber weiter zu unserer einfachen Anleitung zur Magie:

  • Absichtserklärung: Beschreiben Sie klar die Wirkung, die eintreten soll. Vermeiden Sie “soll” oder “müßte”, formulieren Sie die Situation, als würde sie bereits stattfinden.
  • Stellen Sie sicher, daß die in der Absichtserklärung definierte Wirkung die Möglichkeit hat, zu entstehen. Dinge wie “auf dem Wasser gehen” dürften damit mit der allergrößten Wahrscheinlichkeit beiseite fallen.
  • Suchen Sie sich eine Erfahrung aus, die Sie machen wollen.
  • Legen Sie fest, daß diese Erfahrung das gleiche bedeutet wie das, was Sie in Ihrer Absichtserklärung beschrieben haben.
  • Führen Sie die Erfahrung aus, machen Sie sie.
  • Notieren Sie sich das Ergebnis: Wie lange dauert es, bis es eintritt?

Beispiel: Regentanz

Betrachten wir diesen Bauplan mal anhand des oben erwähnten Regentanzes:

  • Absichtserklärung: Beschreiben Sie klar die Wirkung, die eintreten soll. Vermeiden Sie “soll” oder “müßte”, formulieren Sie die Situation, als würde sie bereits stattfinden. — Also: Es wird regnen. Er regnet.
  • Stellen Sie sicher, daß die in der Absichtserklärung definierte Wirkung die Möglichkeit hat, zu entstehen. Dinge wie “auf dem Wasser gehen” dürften damit mit der allergrößten Wahrscheinlichkeit beiseite fallen. — Also: Wir sind auf der Erde. Es gibt Wetter. Es kann regnen.
  • Suchen Sie sich eine Erfahrung aus, die Sie machen wollen. — Also: Wir tanzen um einen Baum und klatschen und singen dabei.
  • Legen Sie fest, daß diese Erfahrung das gleiche bedeutet wie das, was Sie in Ihrer Absichtserklärung beschrieben haben. — Also: Hiermit legen wir fest, daß wir klatschend und singend um den Baum tanzen, und daß das bedeutet, daß es regnen wird.
  • Führen Sie die Erfahrung aus, machen Sie sie. — Also: Wir tanzen um den Baum.
  • Notieren Sie sich das Ergebnis: Wie lange dauert es, bis es eintritt? — Also: In unserem Falle dauerte es an einem absolut strahlend blauen Hochsommertag keine zehn Minuten.

Feinheiten

Natürlich — es gibt einige Feinheiten, die Ihnen dabei helfen, mehr aus Ihrer Magie zu holen. Aber im Grunde genommen ist das das Grundgerüst aller Magie, sei es Seidr, Runenschnitzen, Schamanentum, Golden Dawn, Chaosmagie, Hoodoo oder andere.

Spielen Sie. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen dabei.

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