Ram Tzu über religiöse Ekstase

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Ram Tzu weiß, daß…
du von der Ekstase gekostet hast
trankst tief von ihrem Nektar.

Also umschlingst du sie
Oder lehnst sie ab.

Welche Rolle spielt es?

Abhängiger oder Asket
Du bist gefangen im Netz
Deines eigenen Egos.

Je stärker du strampelst
Desto gewisser rufst du die Spinne.

(Ram Tzu)

Mittlerweile wissen wir ja, daß Ram Tzu in Wirklichkeit Wayne Liquorman ist, jener Mann, den ich wegen seiner Klarheit im Dickicht des Nichtdualismus sehr schätze.

Worüber schreibt Ram Tzu also? Über die Ekstase, genauer: über die religiöse Verzückung. Die ist verlockend, und wer sie jemals erlebt hat, weiß, was ich meine, wenn ich sage: Sie ist gefährlich, denn sie kann abhängig machen. Ganz und gar. Es dauerte jahrelang, bis ich aus dieser Illusion entkommen war. “Ich” wie immer in gedachten Anführungsstrichen, wohlgemerkt.

Religiöse Verzückung ist deshalb so gefährlich, weil sie uns täuscht, uns vorgaukelt, jemand zu sein, der wir in Wirklichkeit nicht sind: ein Individuum eben, ein selbstbestimmtes Wesen, das sich irgendwie durch eigene Kraft aus den Zwängen unserer Gene, unserer frühkindlichen Prägungen, unserer Erziehung und unserer Erfahrungen befreien konnte.

Ganz so, wie der Baron von Münchhausen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht.

Religiöse Verzückung ist auch deshalb so gefährlich, weil sie uns ein Wohlgefühl verschafft, verbunden mit der Illusion, irgendwie näher am Göttlichen zu sein; näher an Gott, näher an den Engeln, näher an Buddha, näher an…

Und wer ist die Spinne, von der Ram Tzu spricht? Die Spinne ist die Enttäuschung. Die Desillusionierung. Der Absturz. Das In-Ungnade-Fallen. Das High ist vorbei, und der ehemals Ekstatische steht da, fassungslos, enttäuscht, kalt, frierend: Gott, warum tust du mir das an? Warum gibst du mir zuerst solch große Freude, und jetzt fegst du mich von deinem Schoß?

Kennen Sie dieses Gefühl? Dann hat Ihnen Ihr Ego einen deftigen Streich gespielt. Ekstase ist einfach nur Ekstase. Einfach nur ein Gefühl. Genießen Sie sie, wenn Sie das können — aber messen Sie Ihr keine Bedeutung zu.

Ekstase ist so einzigartig wie eine Wolke am Himmel, ein Schnurrbarthaar oder ein Furz.

Sie kommt, und sie geht. So wie alles andere auch: Gefühle, Gedanken, Sorgen, Hoffnungen. Wellen auf dem Meer.

Ich wünsche Ihnen allen eine wunderbare Woche — genießen Sie sie. Und nehmen Sie sich selbst nicht so ernst. Sie werden es sich danken.

Spielte Buddha mit Würfeln?

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Gautama Buddha, der Buddha, der in der westlichen Welt allgemein als “Der Buddha” bekannt ist, hat mit großer Sicherheit nicht gewürfelt. Aber natürlich gibt es, und das finde ich enorm wichtig, mehr als einen Buddha. In der Tat bemühen sich die Zenmeister aller Zeiten, den Schülern begreiflich zu machen, daß es so viele Buddhas gibt, wie es Menschen gibt. “Buddhanatur” heißt das schön, und manche Zenrichtungen gehen weiter und sagen “alles hat Buddhanatur”, sprich: Weiterlesen

Meditation: Wie eine Perle, benetzt von Menschlichkeit

(c) ShinjiTakimuri
(c) ShinjiTakimuri

Irgendwann werden Sie während der Meditation ein Erlebnis haben, das interessant und vielleicht auch erschreckend ist: Sie werden feststellen, daß Sie ganz tief in Ihrem Innern leer sind, völlig und absolut leer.

Und hier stoße ich an die Grenzen meiner Sprache. Weiterlesen

Einfache Meditation für Vielbeschäftigte, Teil 1: Licht

Meditation

Sie kennen das so gut wie ich: Der Tag ist vollgepackt, und manchmal kommen wir einfach nicht dazu, uns die zwanzig, dreißig, vierzig Minuten zu nehmen, die wir für Meditation brauchen.

Bevor wir nun gar nichts tun, ist es sinnvoller, während des Tages ständig zu meditieren. Ständig? Wie soll das denn gehen? Mit einer traditionellen sitzenden Meditation klappt das natürlich nicht. Weiterlesen

Keine Angst vor Widersprüchen

"Christ and Buddha", Paul Ranson, 1880
“Christ and Buddha”, Paul Ranson, 1880

Vielleicht geht es Ihnen auch so: Normalerweise haben Sie eine spirituelle Weltsicht, die (hoffentlich) auf Ihren Erfahrungen aufbaut. Aber manchmal rutschen Sie ab, kommen ins Stolpern, und Sie finden sich, wenn auch nur vorübergehend, in einem Weltbild wieder, das Sie schon lange abgelegt glaubten oder dem Sie aktiv entsagt haben. Weiterlesen

Jetzt ansehen: “Jesus liebt mich” in der ZDF-Mediathek

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Während mich das Christentum und seine kirchlichen Ausprägungen so gar nicht ansprechen, finde ich Jesus ganz große Klasse. Er, eine Inkarnation Gottes wie auch der Gautama Buddha oder Krishna, ist einer meiner Lieblinge, ja, und auch ein Vorbild.

2012 drehte Florian David Fitz den Film “Jesus liebt mich”. Der Film erzählt von der Begebenheit, als Jesus in der Jetztzeit unsere Welt besucht, um zu sehen, wie wir uns so anstellen, kurz vor der Apokalypse. Und dabei Maria wieder kennenlernt — die, wie auch schon die Gnostiker schrieben, früher mal seine Geliebte (Frau?) war.

Kurz: großartiges Thema, und wirklich wunderschön gespielt. Klar, die ehemaligen “Meinungsmacher”, die sich im Zeitalter des Internets immer noch in der Illusion ihres Einflusses wähnen, hatten wenig schmeichelhafte Worte für Fitz’ Regiedebut übrig.

Ich persönlich finde den Film klasse. Nicht nur, weil ich die Schauspieler mag, sondern auch und vor allem, weil er den Jesus zeigt, den auch ich kennengelernt habe — einen Propheten, eine Verkörperung Gottes in Menschenform, mit Fehlern, aber einem wahrlich göttlich-großen Herz. Klasse!

Hier geht’s zum Link auf der ZDF-Mediathek: http://www.zdf.de/zdf/filme-in-der-mediathek-26698412.html#

Meditation mit Ziel ist… keine Meditation

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Solange wir meditieren, um damit ein bestimmtes spirituelles Ziel zu erreichen, tricksen wir uns selber aus. Meditation ist der Zustand, der uns wunschlos im Hier sein läßt. Meditation, um zur Befreiung, Erleuchtung, Gott oder sonstigen hehren Zielen zu kommen, ist wieder nur eine weitere Anhaftung, die uns gefangen hält. Das ist keine Meditation, sondern eine Sackgasse.

Das ist gemein, weil Weiterlesen

Freier Wille oder Vorherbestimmung?

Ich schreibe hier im Blog öfter mal über freien Willen, beziehungsweise über sein Nichtvorhandensein. Viele Leser meines Blogs nehmen das wörtlich, ein Phänomen, das mir vor allem auch in Advaita-Kreisen auffällt. Da wird dann mantra-artig wiederholt, daß man keinen freien Willen habe, ein Organismus sei, der von DNA, Prägung, Erziehung, Erfahrung (und vom Willen Gottes) gesteuert werde. Und natürlich nicht zu vergessen der Klassiker: “Wer bin ich?”, tausendfach sinnfrei wiederholt, als ob dem Klang der Wörter eine Zauberkraft innewohnte.

Alles schön und gut. Aber lassen Sie uns nicht vergessen: Das ALLES ist Konzept.

Oder pragmatischer:
Die Frage lautet: Weiterlesen